Wie aus Neujahrsvorsätzen etwas werden kann

So gut Neujahrsvorsätze bzw. generell Vorsätze sind, so wenig taugen sie in der Regel für den profanen, häufig anstrengenden und aufgabenreichen Alltag. Was ist zu tun, um mit unseren Vorsätzen mehr Erfolg zu haben? Wie schaffen wir es, unsere Vorsätze etwas beständiger zu machen? Und wie gelingt es uns, unseren Vorsätzen Taten, vielleicht sogar eine Verhaltensänderung folgen zu lassen?

Alle Jahre wieder...

Wie jedes Jahr fassen wir zum Jahresende gerne Neujahrsvorsätze. An sich eine gute Sache. Sich zum Jahresende besinnen und etwas reflektieren. Daraus eine Erkenntnis gewinnen. Und diese in einen Vorsatz für das neue Jahr ausformulieren.

Häufig wird in vielen Fällen schon nach kurzer Zeit nichts daraus. Wir realisieren, dass regelmässig etwas Sport zu treiben, eben doch mit einer gewissen Anstrengung verbunden ist. Oder wir merken, dass ein angestrebter Gewichtsverlust eben doch mehr erfordert, als ein- oder zweimal auf Süsses zu verzichten.

So gut Neujahrsvorsätze bzw. generell Vorsätze sind, so wenig taugen sie in der Regel für den profanen, häufig anstrengenden und aufgabenreichen Alltag. Was ist zu tun, um mit unseren Vorsätzen mehr Erfolg zu haben? Wie schaffen wir es, unsere Vorsätze etwas beständiger zu machen? Und wie gelingt es uns, unseren Vorsätzen Taten, vielleicht sogar eine Verhaltensänderung folgen zu lassen?

Nachfolgend ein paar Überlegungen und drei Tipps:

Tipp Nr. 1: Starke Ziele (und nicht Vorsätze) formulieren

Vorsätze sind keine starken Ziele. Stark im Sinne von «SMART». Dieses Akronym hilft, Ziele z. B. für ein Projekt, für eine Diplomarbeit oder für sich persönlich zu definieren. Sinnvoll ist es dabei, Ziele positiv zu formulieren. Also das «Hin zu» zu definieren, sprich das, was man erreichen will (und nicht das «Weg von», also das, was man nicht [mehr] will).

Eine Formulierung wie «Ich möchte meine Spanisch-Kenntnisse verbessern» ist eine Absicht, aber kein Ziel nach den «SMART»-Kriterien. Denn es ist weder «S» wie spezifisch, noch «M» wie messbar, noch ist es «T» wie terminiert. Allenfalls ist es «A» wie attraktiv oder anspruchsvoll und allenfalls ist es «R» wie realistisch.

Um dementsprechend aus der vorgenannten Absicht ein SMART-Ziel zu machen, ist z. B. beizufügen, auf welche Stufe ich meine Spanisch-Kenntnisse anheben möchte. Dadurch wird mein Ziel spezifischer. Füge ich noch an, wann ich den notwendigen Sprachtest machen (und hoffentlich bestehen) will, wird mein Ziel messbar und terminiert.

Dementsprechend könnte mein SMART-Ziel wie folgt lauten: «Ich möchte meine Spanisch-Kenntnisse von Sprachniveau A2 auf B2 anheben und zu diesem Zweck bis spätestens 30. September 2026 den international anerkannten Sprachtest «Diploma de Español como Lengua Extranjera“ (DELE) erfolgreich bestehen».

Ein starkes Ziel hilft uns, genauer zu wissen, was wir wollen und um was es uns konkret geht. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein solches Ziel nicht aus den Augen verlieren und bewusst daran arbeiten.

Tipp Nr. 2: Ziele konsequent validieren (und sich über jedes gestrichene Ziel freuen)

Starke Ziele zu formulieren ist gut. Noch besser ist es, nur diejenigen Ziele zu verfolgen, die auch valide sind. Nach Jens Corssen (* 1942, deutscher Diplompsychologe, kognitiver Verhaltenstherapeut, psychologischer Berater und Autor) und seinem Buch «Der Selbstentwickler®» (Beust Verlag in der Marix Verlag GmbH, Wiesbaden) sind es folgende fünf, nachfolgend zitierte Fragen, die sich hervorragend für die konsequente Zielvalidierung eignen.

1. «Will ich das Ziel wirklich, wirklich, wirklich erreichen?» 

Hier geht es um den Ernsthaftigkeitsbeweis. Nur falls es mir «wirklich, wirklich, wirklich» (tatsächlich dreimal) ernst ist mit meinem Ziel, gehe ich zu Frage 2 weiter.

2. «Was brauche ich, um mein Ziel zu erreichen?»

Hier geht es um etwas wie eine Einkaufsliste, auf der alles draufsteht, was ich materiell (z. B. die passende Sprachschule) und - wichtig - immateriell (z. B. die Zustimmung meiner Partnerin oder meines Partners) für die Erreichung meines Ziels benötige. Nur falls mir diese Liste nicht zu lange und nicht zu aufwendig ist, gehe ich zu Frage 3 weiter.

3. «Woher bekomme ich, was ich dafür brauche?»

Hier muss ich mir schlüssig beantworten, dass ich nicht nur weiss, was ich alles für mein Ziel benötige (Frage 2), sondern auch weiss, wo ich all das bekomme. Nur, falls mir das nicht zu mühsam ist, gehe ich zu Frage 4 weiter. 

4. «Was kostet mich das?»

Hier ermittle ich, was mich mein Ziel alles kosten wird. Materiell (z. B. Schulgeld) wie immateriell (z. B. weniger Freizeit). Nur, falls mir das nicht zu teuer ist, gehe ich zu Frage 5 weiter.

5. «Wie sieht mein Leben aus, wenn ich es geschafft habe?»

Hier nehme ich mein Ziel vorweg (Visionstechnik). Nur falls mir das gefällt, was ich mir vorstelle oder vor meinem inneren Auge sehe, kann ich mein Ziel mit Überzeugung bejahen und mit dessen Realisierung beginnen.

Schlussfolgerung: Nur wer fünfmal ja zu seinem Ziel sagen kann, sollte mit der Zielverwirklichung beginnen. Falls im Gegenteil nur eine der fünf Fragen nicht beherzt mit ja beantwortet werden kann, ist das Ziel mit gutem Gewissen als nicht valide zu streichen. Weniger ist mehr. So erhöht sich die Chance, dass aus einem (starken und validierten) Ziel über die Zeit auch ein Resultat wird.

Tipp Nr. 3: Die Zielerreichung regelmässig absichern (und nicht aus den Augen verlieren)

Eine gute Möglichkeit, die verbliebenen starken, validierten Ziele abzusichern, ist Folgende.

Fragen Sie sich regelmässsig:

1. Was habe ich mir vorgenommen?

Denn das, was ich mir vorgenommen habe, ist mein Ziel und ich bleibe mir damit dessen bewusst. Und falls das Ziel noch etwas mehr im Auge behalten werden soll, kann ein «Vision Board» erstellt werden. Denn ein Bild sagt häufig mehr als tausend Worte. Das Denken verbindet sich mit unseren Gefühlen.

2. Was habe ich erreicht?

Denn das, was ich erreicht habe, ist das Resultat (oder finanztechnisch mein «RoI», mein «Return on Investment»). Und sollte es mir dabei nicht gelungen sein, z. B. die drei vorgenommenen Joggingrunden in der besagten Woche zu drehen, so ist eben das das Resultat. Zweifelsfrei nicht das Resultat, was ich wollte, aber noch längst kein Grund, aufzugeben.

3. Wie habe ich das erreicht?

Denn das, wie ich es erreicht habe, ist mein Weg. Ich kann darüber feststellen, was habe ich gut gemacht bzw. was kann ich noch besser machen (letzteres ist eine vorwärts gerichtete Frage, die zielführender ist, als die Frage «Was lief schlecht?»).

4. Was nehme ich mir (fussend auf den Antworten auf die Fragen 1 bis 3) jetzt vor?

Denn das ist das nächste Ziel. Wir sind zurück am Ausgangspunkt bzw. wieder bei der ersten Frage.

Stellen wir uns diese vier Fragen regelmässig, bewegen wir uns im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses («KVP») rolierend nach vorne in die Zukunft.

Zusammenfassend helfen uns diese drei Tipps, aus Vorsätzen starke, validierte und abgesicherte Ziele zu machen und diese Schritt für Schritt, Zeiteinheit um Zeiteinheit zu erreichen.

Gutes Gelingen und viel Erfolg!

Johannes Schläpfer

Trainer & Partner

Johannes Schläpfer ist langjähriger Trainer und Partner der Rudolf Obrecht AG. Nebst Einzel-, Individual-, Team- und Gruppentrainings und -coachings in den Bereichen Führung, Verkauf und Kommunikation leitet er erfolgreich Verhaltenstrainings.